WEA-Ertragssteigerungen sind technisch enge Grenzen gesetzt

Schöne, neue Welt. Das ist nicht nur der Titel einer der einflussreichsten Romane des 20. Jahrhunderts. Es beschreibt wohl auch den Paradigmenwechsel der Bundesregierung, den sie mit der Ausgestaltung des EEG 2016 verfolgt. Die Kalkulationsgrundlage für Windprojekte wird auf den Kopf gestellt, die Förderhöhe über Ausschreibungen im Wettbewerb ermittelt. Das scheint in der Branche als Schreckgespenst zu taugen und ruft einige Dienstleister und Hersteller von Windenergieanlagen (WEA) auf den Plan, die im Sinne der guten alten Zeiten vollmundig Optimierungspotenziale für bestehende Anlagen offerieren.

Jeder Betreiber einer Windenergieanlage kennt sicherlich Angebote von technischen Dienstleistern oder Herstellern, den Ertrag einer WEA-Anlage zu steigern. Das Spektrum reicht dabei von Software-Updates für die Steuerung bis zu technischen Veränderungen an den Rotorblättern, um aus der maximalen Leistungsfähigkeit des Serienmodells noch ein paar Prozentpunkte herauszukitzeln. Versprochen werden Ertragssteigerungen von bis zu fünf Prozent. Die Kosten werden mit bis zu 35.000 Euro pro WEA veranschlagt. In einem konkreten Fall, den Kaiserwetter untersucht hat, hätte sich solch eine Investition nur dann gerechnet, wenn der jährliche Mehrertrag 5,4 Prozent in den nächsten fünf Jahren ausgemacht hätte.

Unsere Erfahrung und die vieler anderer Experten aus der Branche zeigen: solch ein Leistungssteigerungs-Versprechen ist schlichtweg unrealistisch. Dafür gibt es einige gute Gründe. So behält die Nachweisbarkeit einer angenommenen Leistungssteigerung immer einen wesentlichen Graubereich: Ist das Windaufkommen einfach höher ausgefallen oder hat die technische Verbesserung voll durchgeschlagen? Eine Beweisführung ist kaum möglich. Außerdem partizipieren Hersteller von Windkraftanlagen oft prozentual am Energieertrag im Rahmen ihrer Wartungsverträge. Von daher müssten sie ein Interesse daran haben, die Anlagen am jeweiligen Standort optimal zu betreiben. Warum soll also ein Betreiber dieser Anlage Jahre nach der Inbetriebnahme nochmals viel Geld investieren, damit der Hersteller zusätzlich verdient?

Energiepark-Betreibern werden zauberhafte Aussichten durch einige Dienstleister und Hersteller von Windenergieanlagen versprochen, wenn es um Angebote zur Renditesteigerung geht. Doch Vorsicht: Versprechungen können keine physikalischen Gesetze aushebeln.

Zu bedenken ist ferner, dass die Versprechen von Herstellern und Dienstleistern zur Ertragssteigerung immer von pauschalen Verbesserungen ausgehen. Eine Präsentation mit demselben Inhalt wird vielen Parkbesitzern gezeigt. Die Versprechen sind auch immer dieselben. Dabei gilt eines zu beachten: Jede Windenergieanlage ist allein durch den individuellen Standort einzigartig. In einem Windpark können die Bedingungen innerhalb weniger hundert Meter sehr unterschiedlich sein. Globale Versprechen tragen dem keine Rechnung. In eine mögliche Amortisationsbetrachtung sollte auch eingerechnet werden, dass eine höhere Ausbeute mit einer höheren Belastung für die Anlage einhergeht. Und das bedeutet eine höhere Belastung für den Triebstrang und die entsprechenden Großkomponenten. Dies hat ebenfalls Einfluss auf den jeweiligen Abnutzungsgrad der Komponenten. Last but not least sind der Ertragssteigerung einer Anlage allein technisch enge Grenzen gesetzt. Physikalische Gesetze lassen sich auch nicht durch noch so bunte Marketing-Broschüren aushebeln.

Den übertriebenen Versprechungen einiger schwarzer Schafe der Branche zum Trotz: Eine Performancesteigerung vieler Anlagen ist grundsätzlich möglich, realistischere Optimierungen gehen von ein bis eineinhalb Prozent Mehrertrag aus. Jedoch lassen sich diese messtechnisch nicht nachweisen, und den Verbesserungen sind enge Grenzen gesetzt. Die Erfahrung von Kaiserwetter hat gezeigt: Erst eine Tiefen-Analyse jeder WEA-Anlage eines Parks kann dazu führen, Erkenntnisse für mögliche Optimierungen zu erzielen. Das ist Detektivarbeit mit Werkzeugen aus der technischen Analyse. Kaiserwetter schaut sich dafür unter anderem die aufgezeichneten Zehn-Minuten-Betriebsdaten an. Nur über eine differenzierte Analyse dieser Daten einer jeden WEA können Schwächen im Ertragsverhalten identifiziert werden. Ebenfalls werden die auftretenden Fehlermeldungen und deren Häufigkeit analysiert. Auch hier lässt sich einiges erkennen und geeignete Maßnahmen ergreifen. Erst danach lässt sich für eine Anlage ein Optimierungspotenzial benennen, oder eben auch nicht.

Vorteil dieser Vorgehensweise: Es sind keine hohen Investitionen notwendig, und aus der Analyse lassen sich gezielt, auf gesicherter Datenbasis, einzelne Schritte zu anlagenspezifischen Verbesserungen einleiten. Für Kaiserwetter geht es letztlich immer darum, mit dem Betreiber Maßnahmen an den WEAs abzustimmen, die die Performance erhöhen. Über diese Stellschraube lässt sich – im Rahmen des Möglichen – realistischerweise einiges erreichen. Und das bei geringen Kosten. Gute Betriebsführung zeichnet sich für Kaiserwetter im Ergebnis durch eine sehr hohe Anlagenzuverlässigkeit über die gesamte Lebensdauer der Anlage aus. Letztendlich wird die Verfügbarkeit und somit der Ertrag gesteigert.

Was den Schildbürgern nach ihrem Turmbau mit dem geplanten Einfangen des Sonnenlichts nicht gelang, kann auch für WEA-Betreiber und dem Einfangen von zusätzlichem Wind angenommen werden. Nur die höchst mögliche Annäherung von Standortgegebenheiten und WEA-Eigenschaften an ein Leistungsoptimum sind renditemaximierend – alles andere kann sich schnell als Investitionsfalle entpuppen.

 

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